Alltagserfahrungen in Beijing, China I

Unsere Alltagserfahrungen in Beijing – oder: Wo ist die nächste ICBC?!

Mit Chrissi von Treasure Chest / Zentreasures  ging es vom 21.04.-01.05.2016 in die Hauptstadt von China!

Nach Beijing (oder ganze Deutsch „Peking“) zu reisen, war mein Wunsch, seitdem ich angefangen habe, Chinesisch zu lernen. Ich wollte in Erfahrung bringen, ob das Land und die Kultur überhaupt etwas für mich ist – nicht, dass ich die Sprache lerne und hinterher gefällt mir China überhaupt nicht. Deswegen packten wir die Wanderstiefel ein und flogen einmal quer durch die Welt, um knapp 10 Tage in der Altstadt zu verbringen. Wie die alltäglichen Dinge des Lebens in Beijing funktionierten, erzähle ich euch in diesem Beitrag! Angeschnallt und ab nach Asien ;)

 

Reisepass China

 

Öffentlicher Nahverkehr – So kommst du von A nach B!

Natürlich mussten wir erst einmal vom Flughafen zu unserem gebuchten Hostel kommen. Es war geplant, das U-Bahn-Shuttle zu nehmen… hätten wir nur die Karte richtig lesen können! Also suchten wir stattdessen den Shuttle-Bus auf, der uns zumindest bis zur U-Bahnstation Dongzhimen brachte. Da wir zuerst den Eingang nicht finden konnten, sprachen wir aus Verzweiflung zwei Polizisten an, die uns mit Handzeichen in die richtige Richtung schickten, während uns im Hintergrund mehrere Riksha- und Taxifahrer ihre Dienste anboten. In der Station selbst konnten wir die Größe erst gar nicht begreifen. Was von außen so unscheinbar wirkte, war innen sowohl Bus- als auch Bahnhauptstation! Die nächste Hürde stand an: Wo kaufen wir unsere Bustickets für den richtigen Bus? Die Frau am Schalter konnte uns leider nicht helfen, sie verstand uns nicht, und Fahrkartenautomaten waren auch nirgendwo zu sehen. Wie wir planlos herumstanden, sprach uns eine mittelalte Dame auf Englisch an. Sie freute sich sehr, endlich jemandem mit ihren Sprachkünsten helfen zu können, und schickte uns zu unserem Bus mit der Aussage, dass wir beim Fahrer bezahlen müssen. Der Bus kam, wir stiegen ein, und wollten mit dem noch in Deutschland ertauschtem Geld unsere Fahrkarten erwerben: „Hello, 2 tickets to Di’anmen Street, please?“

Es folgte ein „Äh!“. Und danach kein einziger Laut mehr. Nun gut. Aussteigen wollten wir auch nicht und es wollten noch weitere Menschen einsteigen, also beschlossen wir kurzerhand gleich am ersten Tag schwarzzufahren. :o Keinen störte es, wir kamen unbelangt an unserem Ziel an und gingen den restlichen Weg zu Fuß. Wir sind nie wieder Bus gefahren.

Bus: Um Bus zu fahren, brauchst du entweder richtiges Kleingeld (Keine Scheine! Kleine Münzen! Sonst kommt „Äh!“) oder eine Beijing Transportation Smart Card. Vergleichbar mit der Oyster Card in London, könnt ihr die Karte an einer offiziellen Stelle erwerben, sie mit einem Betrag aufladen und dann in den Bussen und anderen Nahverkehrsmitteln benutzen. Sowohl beim Einstieg als auch beim Ausstieg wird die Karte vor einen Kartenleser gehalten und somit die Strecke sowie der abzuziehende Preis erfasst. Die Karte kann dann immer wieder aufgeladen werden. Für die Beantragung hätten wir besseres Chinesisch oder einen Reiseführer benötigt.

U-Bahn/Metro: Das Metrosystem ist die beste Transportmöglichkeit in Beijing! Das Netz verbindet die ganze Stadt und man kommt ohne große Wartezeit an seinen Bestimmungsort. Bevor man die Metrostation überhaupt betreten darf, muss man seine Taschen ähnlich wie am Flughafen durchscannen lassen und durch einen Kontrollpunkt gehen. So wird verhindert, dass Waffen mit in die Bahn geführt werden. Der Check dauert keine 5 Sekunden, hat man eine Flasche in der Hand, muss man einen Schluck daraus trinken, um zu beweisen, dass auch Nahrung darin ist. Ist man durch die Kontrolle gelangt, kann man sich normal am zweisprachigen Automaten (Chinesisch und Englisch) eine Fahrkarte ziehen und mit Münzen bezahlen. Die Fahrkarte kommt in Form einer Transportation Card (siehe Bus) und muss beim Einsteigen sowie Aussteigen gescannt werden, damit sich die Drehkreuze zu den Bahngleisen öffnen.

Taxi: Wie in jedem Land können die Strecken mit einem Taxi zurückgelegt werden. Lasst unbedingt das Taxameter laufen, vermeidet „Fake-Taxis“ und verlasst euch nicht auf verhandelte Preise. Wir sind kein Taxi gefahren, da wir zum ersten Mal in Beijing unterwegs waren und uns die Metro vollkommen ausgereicht hat.

Riksha: Es fahren ständig Rikshas an einem vorbei, die jedem offensichtlichen Touri lauthals „RIKSHAAAA?“ ins Gesicht brüllen. Lasst euch nicht beeinflussen, wozu Riksha fahren, wenn man die Strecken zu Fuß erkunden kann? :) Unsere Hosteldamen haben uns außerdem energisch abgeraten, einige schwarze Schafe fahren wohl mit der Riksha in dunkle, menschenleere Ecken, um die Touris auszurauben. Vorsicht ist besser als Nachsicht. Wenn sie besonders penetrant sind, ruft ihnen „ (bù)!“ (Nein!) entgegen, dann sollten sie von allein weiterziehen.

Slide 1: Metrokarte, Slide 2+3: Flughafen Shuttle Karte, Slide 4: Fahrräder in Beijing, Slide 5: Taxi in Beijing

 

Geld – So bezahlst du im Land der Mitte!

Es ist immer besser, schon vor Reiseantritt ein paar Münzen bzw. Scheine in der Landeswährung bei sich zu tragen, um zumindest zur nächsten Bank gelangen zu können. In China bezahlt man mit Renminbi (RMB). 1 Yuán (元, ¥, umgangssprachlich auch oft 块, Kuài) entspricht 10 Jiǎo (), welche 100 Fēn () sind. Die meiste Zeit wirst du mit Yuán und Jiǎo bezahlen. Momentan sind 10¥ umgerechnet etwa  1,31€ (100¥ = 13,14€). So kommt es, dass der Automat euch beim Geldabheben halbe Bücher aus Scheinen ausspuckt, wenn ihr etwas mehr Geld abheben möchtet. Wir haben vor unserem Flug nach China bei der Reisebank ein paar Yuán vorbestellt, um davon den ersten Tag bezahlen zu können. Die Reisebanken müssen Renminbi normalerweise erst anfordern, also wartet nicht bis auf den letzten Drücker.

Am Flughafen gab es so viele Automaten, dass wir unser Glück herausforderten und sofort unser Wochengeld abheben wollten. Selbstsicher steuerten wir einen Automaten der Agricultural Bank of China an, gaben unsere Kreditkarte in den Schlitz, und – ernteten das Alarmsystem. LÜLÜLÜLÜLÜ, hallte es durch die Flughafenhalle. Der Sicherheitsmann war sofort zur Stelle. Mit Händen und Füßen versuchte Chrissi ihm klarzumachen, dass der Automat die Karte und den PIN nicht nimmt und deswegen der Alarm losgegangen sei. Nachdem die Karte endlich wieder ausgespuckt worden war, schickte der Sicherheitsmann uns rasch weg. So erfuhren wir auf unangenehme Art und Weise, dass man lediglich bei der ICBC (Industrial and Commercial Bank of China) mit unseren deutschen Kreditkarten Geld bekommt. Falls ihr Euros in Yuán umtauschen möchtet, geht zu einem vertrauenswürdigen Geldwechsler (z.B. im Flughafen) oder hebt mit der Kreditkarte bei der ICBC ab. In der Nähe unseres Hostels gab es nur eine einzige ICBC, in den Finanzvierteln wiederum kann man sich vor ICBCs gar nicht retten. Vergesst nicht, euch nach der Abhebung aus dem Konto „auszuloggen“! Ebenso beliebt sind in China die Onlinezahlsysteme AliPay und WeChat Pay, bei denen unter anderem in normalen Ladenlokalen auf den Einkaufsstraßen bequem per Smartphone bezahlt werden kann.

Nachdem wir das Geldabheben dank einer spanischen Reisegruppe und ihrer chinesischen Reiseführerin doch noch am Flughafen erledigen konnten, war das Geldproblem erst einmal gelöst. Im Hostel gab es ein normales Kartenlesegerät.

Slide 1: Renminbi, Slide 2: In Beijing mussten wir teilweise ziemlich suchen, in Hamburg fand ich sie sofort: die ICBC

 

Unser Hostel – Zentral, familiär und gemütlich!

Ich habe mich in unserem Hostel sehr wohl gefühlt. Wir wohnten im Sitting on the City Walls Courtyard House (城墙旅舍) im Nianzi Hutong, direkt über dem Jingshan Park.

Die Angestellten waren alle sehr nett und haben immer versucht, uns zu helfen, wenn wir Fragen hatten. Gleich am Anfang bekamen wir eine Liste mit Sehenswürdigkeiten und Good-to-know-Punkten. Limo, Wasser, Bier und Äpfel waren immer zu kaufen, im Gegensatz zu Deutschland allerdings recht teuer, aber in guter Qualität. Wir kauften unser Wasser immer im Hostel. Das Teewasser war kostenlos, man durfte alle Tassen auf den Tischen benutzen. Unser Zimmer hatte ein eigenes Bad mit Dusche, die sowieso nicht obligatorisch gewesen wäre, da man nicht überall in der Altstadt in die Toilette Klopapier schmeißen darf… sonst verstopfen die Rohre! Die Betten waren gemütlich, jeden Tag wurde das Zimmer geputzt und die Mülleiner geleert. An der Rezeption konnte man Trips und Veranstaltungen zu günstigen Preisen buchen und man wurde immer vor Abzockern auf der Straße gewarnt.

Das Hostel ist eindeutig zu empfehlen! Ich würde immer wieder dort übernachten :heart:

 

Slide 1: Weg zum Hostel, Slide 2: Eingang, Slide 3-5: Hostel von innen, Slide 6: Erhaltene Karte und Good-to-know-Liste, Slide 7: Alle zentralen Sehenswürdigkeiten waren zu Fuß zu erreichen

 

Im nächsten Teil werde ich von den Shopping-Möglichkeiten, unseren Souvenirs und dem Beijinger Essen erzählen. Lasst euch schon gesagt sein, die Peking-Ente funktioniert eigentlich ganz, ganz anders… ;)

 

再见! Bis zum nächsten Recap!

 

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Good to know!

Ich habe in diesem Beitrag mit Absicht kein einziges Foto bearbeitet. Die Reiseführer versprechen immer wieder schicke satte Rottöne im Pekinger Stil – leider sieht die Realität anders aus! Die Sättigung der Fotos wird hochgeschraubt, die Risse in der Fassade werden ausgebessert. Die Gebäude werden in der Wirklichkeit selten saniert. Ich möchte euch Peking zeigen, wie es wirklich ist. Ganz ohne Filter und Schnickschnack-Verbesserung :) Wenn ich ein Foto-Posting mit überarbeiteten Fotos machen möchte, wird dies in einem Extra-Posting oder auf Facebook/Instagram/Pinterest geschehen. Nicht in dieser Journey-Reihe.

22, Bachelor of Science, liebt Bücher in allen Variationen und würde gern um die ganze Welt reisen ♥
1 comment
  1. Ich war schon sehr gespannt auf den ersten Bericht über China bzw. Beijing und habe mich total gefreut ihn endlich lesen zu dürfen :)
    Der ist auch sehr informativ und vor allem das mit dem Hin und Her Kommen hat mich schon sehr interessiert. Auf jeden Fall sehr informativ!

    Für mich wäre China wahrscheinlich nicht unbedingt meine erste Wahl einer „Allein-Reise“, aber ihr habt die ersten Hindernisse ja super gemeistert. (Bei der Sache mit dem Geldautomaten wäre mir echt die Düse gegangen! Vor allem wenn dann ein Sicherheitsmann kommt q.q)
    Ich hätte wahrscheinlich einfach zu viel Schiss im Knast aufgrund eines Missverständnisses zu landen xDD

    Euer Hostel sieht sehr einladend aus *___* Ich glaube das hätte mir auch gefallen :3

    Und super, dass du die Bilder nicht bearbeitest. Damit bekommt man auf jeden Fall einen viel besseren Eindruck vom Land :) Und ja, Reiseführer verschönern gern viel :/

    Ich freu mich sehr auf den nächsten Bericht :)

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