Muss ich jetzt alles als Werbung kennzeichnen?

Oder: Warum Lucent-Pearl.de jetzt vor jedem Post eine Werbeampel eingeführt hat.

Der Aufschrei unter Bloggern und Instagrammern war groß. Vor einigen Wochen erfolgte eine massive Abmahnwelle, durchgeführt von einem gewissen Verein, „dessen Name nicht genannt werden darf“ (er darf, aber ich will nicht). Grund der Abmahnung: Schleichwerbung.

Der Verein bzw. Verband warf und wirft Bloggern und Instagrammern vor, in ihren Postings

  • Instagram-Fotos
  • Instagram-Videos
  • Instagram-Stories
  • Blogbeiträge
  • Texte
  • etc. pp.

 

Schleichwerbung zu betreiben, wenn Marken (oder Bekannte/Freunde!) genannt oder getaggt werden, aber die Postings in Gänze nicht als Werbung gekennzeichnet wurde. Dabei scheint es egal, dass die Produkte im Content selbst gekauft wurden und eben kein Werbegeschenk war oder keine bezahlte Kooperation erfolgte.

 

Achtung! Ab jetzt folgt eigene Meinung, eigene Erfahrung und „gefährliches Halbwissen“ – ich bin in einer Social Media Agentur als Beraterin tätig, aber keine Rechtsanwältin  ;) 

 

Fragen & Antworten

Seit wann wird abgemahnt?

Tatsächlich schon ziemlich lang und seit mehreren Jahren, in letzter Zeit nur akut, weil es inzwischen ein Gerichtsurteil zur Werbesache gibt. Am Anfang stürzten sich die Anwälte auf Blogs ohne rechtsgültiges Impressum, jetzt eben auf die fehlende Werbekennzeichnung. Bald wird es dann vermutlich die fehlende DSGVO-Konformheit sein.

Trifft es auch die kleinen Blogger/Instagrammer?

Hauptsächlich trifft es etwas größere Blogger (auf die man als Anwalt natürlich schneller aufmerksam wird), aber man kann kleine Blogger auf keinen Fall ausschließen. Es kann sehr gut vorkommen, dass auch kleine Blogger abgemahnt werden.

Welche Blogger/Instagrammer trifft es genau?

Das Augenmerk liegt hier weniger auf den privaten, sondern vielmehr auf den (teil-)beruflichen Bloggern. D.h. auf den Bloggern, die ab und zu oder aber auch hauptberuflich mit ihren Postings Geld verdienen. Das Gericht sieht es so (Achtung, Bullsh*t-Alarm!): Verdient ein Blogger Geld mit einigen seiner Postings, steckt hinter allen anderen Postings ebenfalls eine kommerzielle Absicht.

Also muss ich mir keine Gedanken machen, wenn ich einen Blog habe, Marken nenne, aber damit kein Geld verdiene?

Die richtige Antwort ist: Man weiß es nicht. Das wurde nicht klar geregelt und deswegen geht diese Mini-Panik um. Hier auf Lucent-Pearl.de gab es bisher nicht eine Kooperation, dafür sind wir auch noch zu klein. Trotzdem wurden Marken, Orte und Freunde genannt. Ich möchte nicht ausschließen, dass wir vielleicht in Zukunft einmal Geld in die Hand nehmen und Werbung auf Instagram oder Facebook schalten. Oder ich mich als Privatperson nebenberuflich selbstständig mache. Oder wir irgendwann einmal doch eine Kooperation eingehen. Gilt Lucent-Pearl.de dann bereits als kommerziell? Müssten wir nachträglich alles anpassen? Das ist alles nicht offiziell geregelt und deswegen nicht beantwortbar.

Wenn es keine eindeutige Antwort gibt, was kann man denn tun?

Da bis jetzt ebenso noch nicht festgelegt ist, wie man Werbung denn vernünftig zu kennzeichnen hat (Fun Fact: da wird gerade vom Bundesverband für Influencer Marketing dran gearbeitet), kann man nur versuchen, nach bestem Gewissen zu kennzeichnen.

Ganz viele Influencer schreiben inzwischen einfach „Dauerwerbesendung“ oder „Werbung“ unter jedes Bild, auf jedes Story-Snippet, vor jeden Blogbeitrag. Ist das so richtig?

Meiner Meinung nach geht hierbei der Hauptgedanke der Werbekennzeichnung verloren. Es ist schon ganz richtig, dass Werbung auch als solche gekennzeichnet werden soll. Habe ich von einer Marke Geld für einen Beitrag erhalten? Habe ich kostenfrei ein Geschenk/PR-Sample erhalten, das ich vorstelle? Dann ist das schon irgendwie Werbung und sollte entsprechend gekennzeichnet werden. Alles andere halte ich auch für übertrieben, aber wenn das Gericht entschieden hat, dass auch das Werbung ist, kann ich sehr gut verstehen, dass die Influencer auf die Barrikaden gehen und alles kennzeichnen. Denn wer soll da denn noch durchblicken?! Übrigens scheint auch das für den Verein falsch zu sein. Es gibt ebenso Mahnungen zur falschen Werbekennzeichnung anstelle gar keiner. Versteh‘ einer die Welt.

Jetzt bin ich verwirrt. Was soll ich tun?

Ich hoffe, ich enttäusche dich nicht, wenn ich schreibe: Da gibt es bisher einfach keine sichere Empfehlung. Ich möchte aber gerne erklären, was wir jetzt gemacht haben (ob das richtig oder falsch ist, wissen wir auch nicht 100 %):

Wir haben auf Lucent-Pearl.de eine Werbeampel eingeführt, damit wir kein Posting falsch kennzeichnen und so transparent wie möglich sind. Dabei gibt es die folgenden Kategorien, auf die wir unsere Beiträge untersuchen:

U – unbezahlter Post: Wir haben bei diesem Beitrag mit keiner Firma/Marke/wasauchimmer entgeltlich kooperiert.

B – bezahlter Post: Wir haben bei diesem Beitrag mit einer Firma/Marke/wasauchimmer entgeltlich kooperiert.

M – Markennennung: Wir haben in diesem Beitrag Marken oder Firmen genannt. Das heißt nicht unbedingt, dass wir mit ihnen kooperieren oder Geld kriegen.

N – Nennung von Freunden: Wir haben in diesem Beitrag Freunde, Bekannte oder für uns interessante Menschen genannt.

L – Links: Dieser Beitrag enthält Links zu anderen Webseiten als Lucent-Pearl.de. Das heißt nicht unbedingt, dass wir Geld dafür kriegen.

P – Pressereise: Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer Pressereise. Bitte auf U bzw. B achten.

S – Sample: Wir haben für diesen Beitrag unentgeltlich Samples erhalten. Ob wir mit B kennzeichnen, kommt auf die Art des Erwerbs des Samples an (auf der Straße verteilt worden = U).

E – Eigenwerbung: Wir machen in diesem Beitrag besondere Eigenwerbung.

Die Buchstaben stellen wir als kleine Grafik-Stamp zusammen und posten sie mit Link zur Ampel-Beschreibung vor jeden einzelnen Blogbeitrag. So kann jeder Besucher auf den ersten Blick erkennen, was ihn im folgenden Beitrag erwartet. Dieser Beitrag hier enthält zum Beispiel Links auf externe Webseiten und eine „Markennennung“ (Bundesverband für Influencer Marketing). Daher sind auf der Werbeampel ein L für Links und ein M für Markennennung zu sehen. Bezahlt ist der Beitrag mit absoluter Sicherheit nicht. Also findet man ein U für unbezahlt in der Ampelgrafik. Insgesamt also UML.

Auf Instagram halte ich es ähnlich, habe ich auf dem Beitrag:

  • Einen „kommerziellen“ Ort genannt und/oder getaggt (Restaurants, Shops, alles, wo man zwingend Eintritt zahlen muss…)
  • Freunde getaggt
  • Marken sichtbar aufgenommen (Schuhe, wo dick die Marke drauf steht)
  • Produkte genannt

 

kennzeichne ich diesen Beitrag als [Werbung, da…], genauso auch in meinen Stories. Wäre es eine bezahlte Kooperation, würde ich das so mit aufnehmen [Bezahlte Werbung]. Die Nutzung des Instagram-Werbetools [„Bezahlte Kooperation mit…“] reicht der deutschen Juristenlandschaft nämlich auch nicht aus. Was ein Witz. (Leider kein Witz.)

 

Beispiel für unbezahlte Instagram-Werbung: Das Shopping-Center Sunshine City wurde von mir genannt und getaggt.

 

Es ist anstrengend, blöd im Lesefluss und macht keinen Spaß – aber better safe than sorry, ne? ;)  

Fall auf keinen Fall in Panik und lass dir nicht die Freude am Bloggen verderben. Sollte eine Mahnung bei dir eintrudeln, unterschreibe bloß nichts und hole dir sofort einen Anwalt. Lege Widerspruch ein, falls die Anschuldigung falsch ist. Lass nicht mit dir spielen!

 

Ende Gelände.

23, Bachelor of Science, liebt Bücher in allen Variationen und würde gern um die ganze Welt reisen ♥
1 comment
  1. Danke für deinen Post!
    Der hilft wirklich ungemein, auch wenn vieles weiterhin sehr undurchsichtig ist.

    Aber schon wesentlich verständlicher, als manch andere Infos ^^

    Greetz,
    Shiri <3

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

;) 
:o 
:) 
:( 
:heart: 
:D 
:? 
:cry: 
>< 
:|